Dein Kurzleitfaden zu einer IVF-Behandlung

Die IVF (In-vitro-Fertilisation) hilft vielen Menschen, ihren Traum von einer Familie zu verwirklichen. Aber es gibt keine Garantien. Auch bei einer IVF kann es zu Komplikationen kommen, die körperliche, emotionale oder finanzielle Ursachen haben können. Je mehr du über das Verfahren weißt, desto besser kannst du gemeinsam mit deinem Arzt entscheiden, ob eine IVF die richtige Wahl für dich ist.

So funktioniert das IVF-Verfahren

Dein IVF-Behandlungsplan ist speziell auf dich zugeschnitten. Dabei stimmt dein Behandlungsteam alles auf dich (und möglicherweise deinen Partner) ab, sobald alle Voruntersuchungen abgeschlossen sind. Im Allgemeinen folgt jedoch jeder IVF-Plan einer ähnlichen Behandlung.

Die Eierstöcke der Frau werden stimuliert, sodass sie so viele Eizellen wie möglich freisetzen. Diese Eizellen werden dann entnommen, damit sie befruchtet werden können. Danach werden die entstandenen Embryonen so lange genährt, bis sie bereit für den Transfer sind. Der Embryo (oder die Embryonen) werden dann in die Gebärmutter übertragen, wo hoffentlich eine gesunde Schwangerschaft entsteht.

Im Folgenden ist detailliert beschrieben, wie jede dieser Phasen abläuft:

1. Die Eierstöcke werden stimuliert

In einem natürlichen Zyklus wird jeden Monat eine Eizelle in den Eierstöcken produziert und durch die Eileiter zur möglichen Befruchtung befördert. Die Chancen, schwanger zu werden, hängen also völlig von dieser einen Eizelle ab.

Aber bei der IVF besteht das Ziel darin, die Eierstöcke dazu anzuregen, so viele gesunde Eizellen wie möglich zu produzieren. Auf diese Weise erhöhen sich deine Chancen auf eine Schwangerschaft. Diese erhöhte Stimulation erfolgt durch tägliche Injektionen verschiedener Hormone, die 1–4-mal täglich verabreicht werden.

Dieser Teil des Prozesses dauert normalerweise 8–20 Tage. Jeden zweiten Tag musst du zur Kontrolle in die Klinik kommen. Dauer, Dosierung und Medikamente variieren von Mensch zu Mensch, da dein Ärzteteam sicherstellen möchte, dass dieser Prozess so kontrolliert wie möglich abläuft. Du wirst morgens in deine Klinik gehen, wo der Hormonspiegel in deinem Blut überprüft und dann eine Ultraschalluntersuchung zur Kontrolle des Follikelwachstums durchgeführt wird.

Das mag nach vielen Untersuchungen klingen, aber deine Ärzte können dadurch sicherstellen, dass das Medikament wirkt und sich deine Follikel genauso entwickeln, wie du dir das wünscht.

Sobald eine Ultraschalluntersuchung bestätigt hat, dass die meisten deiner Follikel mindestens 19–21 mm groß sind, können wir zum nächsten Schritt übergehen.

2. Die Eizellen werden entnommen

Sobald die Follikel die ideale Größe erreicht haben, löst eine HCG-Injektion (kurz für humanes Choriongonadotropin) die letzte Phase der Reifung und des Eisprungs aus. Der Zeitpunkt des Eisprungs nach dieser Injektion ist recht präzise. Die endgültige Reifung dauert etwa 36 Stunden, sodass deine Eizellentnahme in der Regel 36 Stunden nach der Injektion geplant wird.

Während einer Ultraschalluntersuchung punktiert der Gynäkologe jeden Follikel, der die richtige Größe erreicht hat, und entnimmt die Eizelle aus dem Inneren des Follikels. Das eigentliche Verfahren ist ziemlich schnell abgeschlossen, normalerweise dauert es nicht länger als 20 Minuten. Und da du eine Vollnarkose bekommst, wirst du schlafen und keine Beschwerden haben. Wegen der Vollnarkose muss aber auch jemand da sein, der dich danach nach Hause begleitet.

3. Die Eizellen werden befruchtet und genährt

Nach der Entnahme untersucht der Embryologe die während des Eingriffs entnommenen Eizellen (zu diesem Zeitpunkt werden sie Oozyten genannt) unter dem Mikroskop. Sie werden danach klassifiziert, wie weit sie im Reifungsprozess fortgeschritten sind. Und die Gesamtzahl der reifen Eizellen ist die Menge, die der Embryologe versuchen wird, zu befruchten.

In dieser zweiten Phase benötigst du eine Spermaprobe – von deinem Partner oder einem Spender. Das Labor wird die Probe für die Befruchtung vorbereiten. Dann werden die Eizellen und die Spermien zusammengefügt, damit die Befruchtung stattfinden kann.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie dies geschehen kann. Entweder finden die Spermien ihren Weg von selbst. Oder die Spermien werden geführt und durch Injektion dabei unterstützt, ihren Weg in die Eizelle zu finden.

Die erste Option (IVF) ahmt das, was natürlicherweise im Körper passiert, stärker nach. Eine Eizelle und eine große Menge lebensfähiger Spermien werden zusammen in eine Petrischale gegeben und die Spermien versuchen, die Eizelle ohne weitere Laborunterstützung zu befruchten.

Die zweite Methode wird ICSI genannt. Dabei erhalten die Spermien etwas mehr Unterstützung. Ein Embryologe wählt die „am besten“ aussehenden Spermien aus und injiziert ein lebendes Spermium direkt in jede Eizelle. Nach dem Befruchtungsversuch wird alles in einem Inkubator bei 37 °C in einer Atmosphäre mit einem Gasgemisch und einem Feuchtigkeitsgrad, der dem des menschlichen Körpers ähnelt, gelagert.

Wenn die Eizelle erfolgreich von den Spermien befruchtet wird, spricht man dann von einer Zygote.

Am nächsten Tag wird das Labor überprüfen, wie viele Eizellen befruchtet und zu Zygoten geworden sind. Dann lässt das Labor sie 3–5 Tage lang wachsen. Jeden Tag wird geschaut, wie sie sich durch Zellteilung zu Blastozysten entwickeln. Am Ende dieser Wachstums- und Beobachtungsphase werden die Blastozysten entweder für den Transfer vorbereitet oder für einen späteren Transfer eingefroren.

4. Der Embryo wird in die Gebärmutter übertragen

Der Embryotransfer ist in der Regel schnell und schmerzlos – es ist keine Anästhesie erforderlich. Während des Transfers wird der lebensfähige Embryo oder die lebensfähigen Embryonen durch den Gebärmutterhals eingeführt und in die Nähe des Gebärmutterfundus gebracht, d. h. im breiten, gekrümmten oberen Bereich, wo die Eileiter mit der Gebärmutter verbunden sind. Dies geschieht mit einem sehr dünnen Katheter, der speziell für den Embryotransfer verwendet wird. Die Anzahl der Embryonen, die in die Gebärmutter transferiert werden, hängt von deinem Alter, der Anzahl der erfolglosen Versuche und der allgemeinen Beurteilung deines Gesundheitszustands ab.

Mach dir keine Sorgen! Du und dein Arzt werden diese Entscheidung gemeinsam treffen.

In den nächsten Tagen musst du möglicherweise auch Progesteron einnehmen – entweder vaginal oder subkutan – und in einigen Fällen wird dir oral, vaginal oder transdermal Östrogen verschrieben. Die Aufrechterhaltung eines gesunden Progesteron- und Östrogenspiegels sorgt dafür, dass dein Embryo alles hat, um sich optimal entwickeln zu können.

Ein Schwangerschaftstest wird 12 bis 14 Tage nach dem Transfer durchgeführt. Dies ist normalerweise eine Ultraschalluntersuchung in der Klinik. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass dein Arzt die HCG-Werte in deinem Blut misst – ein genauerer Indikator für eine Schwangerschaft.

5. Lebensfähige Embryonen werden eingefroren

Nach Abschluss des Transfers werden alle lebensfähigen Embryonen, die nicht transferiert wurden, eingefroren, was auch als Vitrifikation bezeichnet wird. Auf diese Weise können sie zu einem späteren Zeitpunkt eingesetzt werden, ohne dass eine erneute Eierstockstimulation erforderlich ist.

Die Entscheidung, ob eine IVF durchgeführt wird oder nicht, ist nicht leicht. Jetzt, da du mehr darüber weißt, raten wir dir, dich noch weiter mit dem Thema zu beschäftigen und Fragen zu stellen. Wir haben eine hilfreiche Liste mit Links zusammengestellt, damit du dein Wissen vertiefen kannst. Und natürlich sind wir immer da, um zu helfen und alle Fragen zu beantworten.